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Sprechstunde, Akutbehandlung, Probesitzungen und Therapie: der Unterschied

Bei der Suche nach einem Therapieplatz hörst du viele Begriffe. Sprechstunde, Akutbehandlung, Probatorik, Richtlinientherapie. Das kann verwirrend sein. Hier erkläre ich dir, was hinter jedem Begriff steckt.

Vorweg das Wichtigste: Ein Termin in der Sprechstunde ist noch kein Therapieplatz. Die Sprechstunde ist der erste Schritt. Danach kann es auf verschiedenen Wegen weitergehen.

Alle Angaben auf dieser Seite gelten für Erwachsene mit gesetzlicher Krankenversicherung. Grundlage ist die Psychotherapie-Richtlinie und die Seite der 116117 zur Psychotherapie.

Auf einen Blick

  • Sprechstunde: Kennenlernen und klären, welche Hilfe du brauchst.
  • Akutbehandlung: schnelle, kurze Hilfe bei starker akuter Belastung.
  • Probesitzungen (Probatorik): genauer hinschauen, bevor eine Therapie beginnt.
  • Richtlinientherapie: die eigentliche Psychotherapie, als Kurzzeit- oder Langzeittherapie.

1. Die psychotherapeutische Sprechstunde

Die Sprechstunde ist der Einstieg. Dort wird unter anderem geklärt: Liegt eine psychische Erkrankung vor? Kann eine Psychotherapie helfen? Oder passt ein anderes Angebot besser, zum Beispiel eine Beratungsstelle oder eine Tagesklinik? So beschreibt es die 116117.

Du hast einen Anspruch auf die Sprechstunde. Vor einer Akutbehandlung, vor Probesitzungen und vor einer Therapie musst du sie in der Regel besucht haben. Bei Erwachsenen kann sie aus bis zu sechs Terminen von mindestens 25 Minuten bestehen. Das steht in § 11 der Psychotherapie-Richtlinie.

Am Ende bekommst du das Formular PTV 11 mit dem Ergebnis und einer Empfehlung. Was darauf steht, erkläre ich auf der Seite Das PTV 11.

Gut zu wissen: Du darfst Erstgespräche bei verschiedenen Praxen führen. Die „Chemie“ soll stimmen, schreibt die 116117.

2. Die Akutbehandlung

Die Akutbehandlung ist für Zeiten, in denen es dir akut sehr schlecht geht. Sie soll dich kurzfristig entlasten und stabilisieren. Sie ist keine vollständige Therapie. Reicht sie nicht aus, soll sie dich auf eine Therapie oder eine andere passende Hilfe vorbereiten. So steht es in § 13 der Psychotherapie-Richtlinie.

Möglich sind bis zu 24 Termine von mindestens 25 Minuten. Die 116117 beschreibt das als bis zu 12 Gespräche von je 50 Minuten. Für die Akutbehandlung ist kein Antrag bei der Krankenkasse nötig. Sie kann direkt nach der Sprechstunde beginnen.

3. Probesitzungen (Probatorik)

Bevor eine Therapie beginnt, gibt es probatorische Sitzungen. Das sind Probesitzungen. Dort wird die Diagnose genauer geklärt. Und ihr prüft gemeinsam, ob die Praxis und das Verfahren zu dir passen.

Vor einer Therapie finden mindestens zwei und bis zu vier Probesitzungen statt. Sie zählen noch nicht zur Therapie selbst. Das steht in § 12 der Psychotherapie-Richtlinie.

4. Die Richtlinientherapie

Das ist die eigentliche Psychotherapie. Sie findet in einem von vier anerkannten Verfahren statt: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie oder Systemische Therapie. So listet es die 116117.

Es gibt Kurzzeittherapie und Langzeittherapie. Beide müssen bei der Krankenkasse beantragt werden. Die Praxis hilft dir bei dem Antrag. Vor dem Start gehst du laut 116117 außerdem in eine Haus- oder Facharztpraxis. Dort wird geprüft, ob es körperliche Ursachen gibt.

Einen festen Platz für eine solche Therapie nennt man oft „Therapieplatz“. Den zu finden ist gerade schwer. Findest du keinen Platz bei einer Kassenpraxis, kann eine Kostenerstattung ein Weg sein. Das erkläre ich in der Anleitung zur Kostenerstattung.

Was kann die 116117 für dich vermitteln?

Die 116117 ist die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen. Du erreichst sie am Telefon unter 116117 oder online über den eTerminservice. Laut 116117 gilt:

  • Ohne Vermittlungscode: Du bekommst einen Termin für eine Sprechstunde in einer Praxis.
  • Mit Vermittlungscode vom PTV 11: Du bekommst einen Termin für eine Akutbehandlung oder für eine Probesitzung. Dafür muss auf dem PTV 11 „zeitnah erforderlich“ vermerkt sein.

Die 116117 vermittelt also Termine. Das ist ein wichtiger Schritt, aber noch keine Zusage für eine ganze Therapie. Schreib dir auf, wann du angerufen hast und was man dir gesagt hat.

Wenn es dir gerade sehr schlecht geht

Du bist nicht allein. Hier findest du sofort Hilfe:

Telefonseelsorge: 0800 111 0 111

Auch unter 0800 111 0 222. Kostenlos, anonym, rund um die Uhr. Auch als Chat oder Mail auf telefonseelsorge.de.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117

Wenn die Praxen gerade zu haben. Nicht anonym.

Bei Lebensgefahr: 112

Hast du Angst vorm Telefonieren? krisenchat.de hilft dir schriftlich, für Menschen bis 25 Jahre.

Du hast einen Fehler gefunden? Schreib mir über das Kontaktformular.

Quellen und Stand

Diese Seite erklärt die Stufen der ambulanten Psychotherapie in einfachen Worten. Sie ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Erstellt von Marcel Welk.

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